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Soviet Design. 1920-1980

Der Zerfall der Sowjetunion erfolgte vor etwa drei Jahrzehnten. Grund genug auf das sozialistische Design während der 60 Jahre unter dem kommunistischen Regime zu blicken. Am Anfang steht Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924). Sein Leitsatz „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“, ausgesprochen auf dem VIII. Gesamtrussischen Sowjetkongress am 22. Dezember 1920, wird als programmatischer Grundsatz der sowjetischen Herangehensweise an die Industrialisierung verstanden. Die Elektrifizierung eines Landes ergibt aber nur einen Sinn, wenn entsprechende Strom betriebene Endprodukte verfügbar sind. Hier beginnt nun ein Teil der Arbeit der sowjetischen Designer und Architekten, die im Folgenden während des gesamten Bestehens der Sowjetunion betrachtet werden soll.

Zeiten im Umbruch – von der Revolution bis zum Zerfall

Obwohl russische Kunst, Musik und Literatur die europäische Kulturlandschaft seit Jahrhunderten bereicherten, wird im Westen sowjetisches Design als nicht besonders „sexy“ angesehen. In der Architektur findet man oft brutalistische Betonburgen oder den mit der abwertenden Bezeichnung „Zuckerbäckerstil“ gemeinten Sozialistischen Klassizismus, den vorherrschenden Baustil repräsentativer Bauten in der Zeit des Machthabers Josef Stalin (1879–1953). Sowjetisches Design wird häufig als massiv, unergonomisch und – ganz im Sinne der gleichmachenden Ideologie – uniform bewertet. Bei genauerer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass sich ab den 1920er Jahren im großen sozialistischen Vorbildland einige Stilrichtungen ausbildeten, die dem widersprechen. Es konnten sich so unterschiedliche Stile vom Konstruktivismus, Rationalismus und Suprematismus über den bereits genannten Sozialistischen Klassizismus bis hin zum sowjetischen Art Déco der 1930er-Jahre entwickeln, deren Protagonisten zum Teil in einem schwierigen Verhältnis zur stets misstrauischen Führungsschicht und unter kritischer Beobachtung standen: die Feinde des jungen sozialistischen Regimes lauerten im Äußeren, wurden aber auch im Inneren vermutet und verfolgt. Ab den 1920er Jahren zog es viele Intellektuelle und Designer aus dem Westen, besonders aus Frankreich und Deutschland, in die Sowjetunion, um das neuartige Gesellschaftssystem zu studieren und es gegebenfalls zu fördern und nach Hause mitzunehmen. So konnte die sowjetische Entwerfer Szene von einem regen Austausch mit ausländischen Architekten und Künstlern wie etwa den deutschen Bauhäuslern Nutzen ziehen, wodurch besonders das sowjetische Art Déco profitierte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs fokussierte die sowjetische Produktion in den 1950er Jahren auf modernistisches und funktionales Mobiliar. Man sieht verstärkt wieder die Einflüsse der frühen Avantgarde und des Bauhauses auf das sowjetische Design. Der Niedergang des autoritären Herrschaftssystems und der daraus folgende Zerfall der Sowjetunion kündigte sich mit visionären Arbeiten einer neuen Designergeneration an.

Kunst und Kommunismus

Design war während der gesamten Sowjetherrschaft ein staatstragendes Thema, das auch die Überlegenheit des neuen politischen Systems abbilden und beweisen sollte. Die politische Vorgabe der Sowjet Führung zur „Schaffung eines neuen Menschen“ spielte bei der Gestaltung des materiellen Umfelds im Sozialismus eine bedeutende Rolle. Die Entwerfer der Produktwelten hatten sich hier genauso wie die Architekten, Künstler, Maler, Bildhauer und Schriftsteller zu beteiligen, um am Idealbild der sozialistischen Avantgarde vom „neuen Menschen“ in einer „neuen Welt“ zu arbeiten. Aber auch die restliche Welt blickte in den 1920er Jahren gespannt auf das sozialistisch-kommunistische Experiment in der noch jungen Sowjetunion. Neben den Neuerungen in der Politik und der gesellschaftlichen Organisation wurde auch die künstlerische Kreativität bei Kunst und Design aufmerksam beobachtet.

Eine erste Bilanz wurde auf der Ersten Russischen Kunstaustellung gezogen, die im Oktober 1922 in Berlin eröffnet wurde und enorme Besuchermengen anzog. Besonders beeindruckten das Publikum die Gemälde im Stil des Suprematismus von Kasimir Malewitsch. Der Suprematismus ist die erste konsequent nichtgegenständliche Kunstrichtung und beeinflusste vor allem durch El Lissitzky die niederländischen Designer von De Stijl und das deutsche Bauhaus. Weiterhin wurden auch Kunstgewerbliche Objekte präsentiert und über die neuen Kunstschulen berichtet, wie zum Beispiel die am 18. Dezember 1920 gegründete WChUTEMAS (Höhere Künstlerisch-Technische Werkstätten), die sich den Ideen der russischen Avantgarde verschrieben. Wie das Bauhaus war diese Schule ein wichtiges Zentrum für die radikale Neuausrichtung der künstlerischen Ausbildung.

Sowjetdesign

Der Begriff Design (russisch dizayn) wurde zu Sowjetzeiten als zutiefst kapitalistischer Ausdruck tunlichst gemieden. Stattdessen sprach man schon in den 1920er Jahren von „Kunst in der Produktion“, was das Zusammenwirken von Kunst und Industrie, ähnlich dem Bauhaus in seiner Dessauer Zeit, betonen sollte. 

Internationales Möbeldesign aus Italien, Dänemark oder den USA ist uns durch zahlreiche Publikationen und neu aufgelegte Designklassiker wohl bekannt. Was aber ist mit dem sowjetischen Möbeldesign? Kaum beachtet genießt es einen eher fragwürdigen Ruf, redlich verdient durch häufig voluminöse Formen und unbequeme Handhabung. Dabei wird allerdings der politische und soziale Kontext ihrer Entstehungszeit vernachlässigt bzw. werden einige (negative) Stilmerkmale einzelner auf die Gesamtheit übertragen. Während der Sowjetzeit entwickelten sich verschiedene Stile, die oft nur von wenigen Werken herausragender Designer geprägt waren. Diese Möbelstücke basierten auf einem konzeptionellen Schema einer bestimmten künstlerischen Theorie: bei jedem Projekt wurde eine Idee in ein reales Objekt materialisiert.

Zu Beginn des Möbeldesigns „made in USSR“ standen in den 1920er Jahren kühne Experimente der Avantgarde, die konstruktivistische Formen schufen. Von den 1930er Jahren bis zur Mitte der 1950er Jahre führte die nun lauter werdende Kritik am Konstruktivismus zu einem pompösen sowjetischen Art Déco und Neo-Klassizismus. 

Mit Stalins Tod im Jahre 1953 und der offenen Missbilligung von dessen Personenkult durch seinen Nachfolger Nikita Chruschtschow begann die Zeit der Modellmöbel, die die überbordenden Ornamente und Verzierungen verbannten. Damit einher ging ein beispielloses Wachstum der Möbelindustrie, das allerdings oft die originelleren und experimentelleren Ideen als unrealisierte Zeichnungen zurückließ. Im Westen war es die Zeit des Midcentury-Designs.

Neben den bekannten Namen wie El Lissitzky oder Vladimir Tatlin waren es weniger bekannte, aber gleichbedeutende Designer wie Boris Iofan, Nikolai Lanceray, Karo Halabyan, Yuri Solovyes und Yuri Sluchevsky, die das sowjetische Möbeldesign maßgeblich beeinflussten. 

Die schnellen Übergänge von der frühen Avantgarde zum Sowjetischen Neoklassizismus und dann wiederum zum Funktionalismus waren weder einer launischen Mode oder einem wechselnden Käufergeschmack geschuldet, sondern jeweils der ideologischen Verschiebung des Idealbilds vom wahren vorbildlichen Leben im Sozialismus. Vermeintlich falsche Ideale wurden per Anordnung von heute auf morgen durch neue ersetzt, was wiederum in neuen Designstilen bzw. Konzepten mündete.

Im Kapitalismus regelt das Verhältnis Angebot und Nachfrage die Steuerung der Produktion. Im sowjetischen, staatlich gelenkten Wirtschaftssystem wurde die Planung der Produktion von den verfügbaren Ressourcen und den „Verbraucherwünschen“ bestimmt, die jedoch nicht vom Verbraucher, sondern von der Führung definiert wurden. So konnte auch die Käuferschaft keinen Einfluss auf das Design nehmen. Sowjetische Möbel werden deshalb in der Regel als unattraktive Erzeugnisse einer von Ingenieuren und Technikern entworfenen Massenfertigung wahrgenommen. Von großem Interesse sind dagegen die konzeptionellen Projekte sowjetischer Designer, die mit interessanten Ideen das sowjetische Design voranbrachten. Leider wurden die wenigsten realisiert und blieben meist nur Ideen auf Papier. 

Aufbruch in den 1920er Jahren

Im Westen genoss man, so man es sich leisten konnte, den Rausch der legendären Zwanziger Jahre, im Osten herrschte kollektive Aufbruchsstimmung. Der russische Maler, Grafikdesigner und Architekt El Lissitzky schuf sogenannte Proun-Bilder als Bildkompositionen aus geometrischen Figuren, die eine räumliche Wirkung auf der zweidimensionalen Fläche erzielen. 1923 zeigte er mit seinem Prounenraum wie die neue geometrische Sprache des Suprematismus unter Verwendung asymmetrischer, dynamischer, geometrischer Bestandteile in einem dreidimensionalen Zimmer angewandt werden kann. Es entstand ein sensationeller Raum, der richtungsweisend für die Anwendung der Kunst beim Aufbau der sowjetischen Gesellschaft werden sollte. Auf der Pariser Weltausstellung Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes im Jahr 1925 veranschaulichten dies der Sowjetische Pavillon von Konstantin Melnikow und Alexander Rodchenkos Arbeiterclub, konzipiert als Treffpunkt und Bildungseinrichtung. Die Preis gekrönten Werke drückten die Essenz des revolutionären Sozialismus‘ aus und waren ausgesprochen ideologisch. Melnikows Treppe wurde ganz im Sinne der Agitprop-Architektur vom Hammer und Sichel Ornament überragt, während Rodchenko Lenins Namen in sein Werk einfügte. Insgesamt wurden die neuen schmucklosen, geometrischen Gestaltungsansätze international wertgeschätzt.

Sowjetdesign von 1930 bis Anfang der 1950er Jahre

Diese Zeitspanne wird von der Abkehr vom avantgardistischen Konstruktivismus der 1920er Jahre und dem Erblühen des sowjetischen Neo-Klassizismus geprägt. Das erste offensichtliche Zeichen dieser Zeitenwende war die Schließung der der Avantgarde zugewandten Moskauer Kunstschule WChUTEMAS im Jahr 1930.

Auf dem 17. Parteitag der kommunistischen Partei (26.1. – 10.2.1934) festigte Stalin endgültig seinen absoluten Führungsanspruch über Partei und Staat. Die Redner huldigten ihm und lasteten die schweren wirtschaftlichen Rückschläge, die landwirtschaftliche Produktion war um 40% und die Kaufkraft der Arbeiter um 50% zurückgegangen, nicht den gravierenden Fehlentscheidungen Stalins an, sondern der „Sabotage“ bei deren Umsetzung. Viele dieser angeblichen „Saboteure“ landeten in Arbeitslagern, den Gulags, die Revolution fraß ihre Kinder. Manche Architekten und Designer hatten noch das Glück im Gulag Entwerfen zu dürfen und nicht etwa im Kanal- oder Bergbau zu Tode geschunden zu werden. Sie wurden in einer Sharashka interniert, einem experimentellen Design und Technik Büro. Sharashka war eine informelle Bezeichnung für die geheimen Forschungs- und Entwicklungslabors, die von 1930 bis 1950 im sowjetischen Gulag-Arbeitslagersystem betrieben wurden. Hier wurden u.a. Staatsaufträge für die Innenausstattung Ranghoher Regierungsmitglieder ausgeführt. Insgesamt stabilisierte das Millionenheer unbezahlter Zwangsarbeiter in den Gulags die sowjetische Wirtschaft, realisierte Infrastrukturmaßnahmen wie Verkehrswege und baute Rohstoffe in den unwirtlichsten Gegenden Sibiriens ab.

Im Rahmen der Agitprop Art (gebildet aus Agitation und Propaganda), der kommunistischen politischen Werbung seit Lenin, erschienen überall Slogans und Symbole auf Gebäuden, Möbeln, Plakaten, Geschirr und Kleidung, um die Ideologie „unters Volk“ zu bringen. Zitate aus Stalins Reden wie „Das Leben ist besser geworden“ oder „Das Leben ist fröhlicher geworden“ mussten an öffentlichen Orten und sogar an den Eingängen der Gulags angebracht werden. Dabei traf dies nur für eine sehr kleine Anzahl Privilegierter, den einige 1000 zählenden Apparatschiks der Nomenklatura zu.

Ab 1937 zeigten neoklassizistische Design- und Architekturprojekte Merkmale des alten Empire Stils, der einst der Glorifizierung adliger Herrscherhäuser diente. Nun diente er mit monumentalen Gebäuden, die zahlreiche Verzierungen an den Fassaden, Säulen, Säulenhallen und Turmaufbauten erhielten, dem Machterhalt des roten Zaren. Der „Stalinistische Empire“ Stil war direkt mit Stalin als Anführer assoziiert und gleichzeitig Ausdruck der Sowjetmacht, die sich nach dem gewonnenen 2. Weltkrieg auf den Höhepunkt ihrer Macht zubewegte.

Da Design als Architektur im Kleinen betrachtet werden kann, wurde der sowjetische Neoklassizismus auch auf das Möbeldesign angewandt. Die Ideen der 1920er Jahre hingegen wurden als schädlich für das sozialistische Leben stigmatisiert. Die Hinwendung zum Neoklassizismus mit einem kurzen Ausflug in das sowjetische Art Déco wurde auch von globalen Designtrends gefördert. Sowohl in Europa als auch in den USA rückten klassische Formen wieder in den Fokus, zusammen mit üppigem Dekor und ausdrucksstarken Materialien. Sowjetische Möbel wurden nun wieder voluminöser, das überbordende Ornament kam zurück. Das offizielle Ende der russischen Avantgarde markierte das Dekret des Zentralkomitees „Über die Umstrukturierung von Literatur und Kunst“ vom April 1932. Das Konzept des sowjetischen Realismus, wie es Maxim Gorki im August 1934 auf dem ersten Schriftsteller Kongress erläuterte, eroberte ausgehend von der freien Kunst und Literatur auch die Architektur und angewandte Kunst. Das Dekor hatte nun eine ideologische Bedeutung; Bänder, Sterne, Ähren und fröhliche Szenen des glücklichen sozialistischen Lebens überbrachten die politische Botschaft.

Art Déco war zwar ein globaler Designtrend, hatte aber in jedem Land seine eigene Ausprägung. Auch in der Sowjetunion hatte es seine speziellen Eigenheiten, dem Post-Konstruktivistischen Möbeln, Vermittler zwischen Avantgarde und Neoklassizismus, war es oberflächlich ähnlich, konzeptionell jedoch sehr unterschiedlich. In seiner kurzen Periode von 1932 bis 1937 entstand wunderbare Architektur, interessantes Interior Design zusammen mit bestimmenden Modetrends und authentischem Möbeldesign. Die Moskauer Metro ist das perfekte Beispiel für diesen Stil.

Neuausrichtung 1953-1980

Nikita Chruschtschow erbte als Nachfolger Stalins den bereits ab den 1920er Jahren entstandenen Wohnungsmangel. Durch Industrialisierung, Kollektivierung und später die Landflucht war die Bevölkerung Moskaus ab 1917 stark angewachsen. Der Staat enteignete deshalb Wohnungsbesitzer und wies ihnen Mitbewohner zu, die dann in extrem beengten Kommunalkas genannten Zwangsgemeinschaften, in denen sich teilweise mehrere Familien ein Zimmer teilen mussten, zusammenlebten. Chruschtschow bekämpfte den Mangel ab Mitte der 1950er Jahre mit schnell und billig erbauten fünfstöckigen Häusern aus Betonplatten. In den folgenden 15 Jahren zogen mehr als 130 Millionen Menschen in diese abwertend Chruschtschowka getauften Plattenbauten. Das einst abgeschaffte Wohneigentum erlebte eine Renaissance, heute sind neun von zehn Moskauer Wohnung im Privatbesitz.

Mit Chruschtschow wurde so ab 1953 die Ideologie neu justiert, was zu einer Neuorientierung in allen Bereichen einschließlich der Architektur und dem Design führte. Die neue Ära des Wohnungsbaus für die Massen einschließlich einer Typisierung benötigte neue Möbel für klein geschnittene Wohnungen. Das neue sowjetische Lebensgefühl wurde eine Herausforderung für Designer und Produzenten. In den 1960er Jahren kam die minimalistische Ästhetik in Mode, mit unverkennbaren Anleihen bei der Funktionalität des deutschen Bauhauses. Nach fast 30 Jahren der Verdrängung der Ideen der Avantgarde wurden diese rehabilitiert. Den Designern wurden größere Freiheiten zugestanden, die sie für kreative Experimente nutzten, frei von Ideologie und politischen Zwängen.

In den 1950er Jahren stieg die UdSSR zu einer der größten Volkswirtschaften auf, womit eine Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse einherging. Das Unwort Design wurde weiterhin gemieden und durch Begriffe wie „technische Ästhetik“, „künstlerische Konstruktion“ oder „künstlerische Planung“ ersetzt. Außerhalb der vom Staat genehmigten Massenproduktion entworfene Objekte erhielten die Bezeichnung „experimentelle Projekte“. Gleichzeitig erlebte der Konstruktivismus der 1920er Jahre einen 2. Frühling, indem sich das kommerzielle Massendesign an dessen Konzepten orientierte. Es entstand zwischen 1950 und 1980 eine besondere Zusammenarbeit zwischen Produzenten und Designern, die zwar ihre eigenen Visionen verfolgten, aber gleichzeitig die staatlichen Produktionsstandards beachten mussten. Das sowjetische Nachkriegs Möbeldesign wurde auch von technologischen Fortschritten in der Industrie, dem Bevölkerungswachstum und dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen der gewöhnlichen Bevölkerung beeinflusst und führte zu mehr Standardisierung.

Möbel im klassischen, stark dekorierten Stil aus den ersten Jahrzehnten der Sowjetherrschaft waren nun endgültig verpönt, die günstige Massenproduktion mit schlichten, funktionalen Designs hat sich durchgesetzt. Die durchschnittliche Flächenbelegung durch die Möbel sank von etwa 50% auf unter 30% der Wohnungsfläche, es entstanden kompakte Möbel mit optimaler Raumausnutzung wie der Sofa-Schrank (s. Abb.). Diesem Umschwung vorausgegangen waren Initiativen wie der landesweite Wettbewerb zur Möblierung von 40 Wohnungen und einem Geschäft im Moskauer Stadtteil Nove Cheremushki im Jahr 1958 sowie Dekrete der Staatsmacht zur Schaffung neuer Möbel. Die abgebildeten Beispiele zeigen den Einfluss ausländischer Trends und könnten gut von westlichen Möbelmessen stammen.

Das Buch „Soviet Design. From Constructivism to Modernism. 1920-1980“ beleuchtet detailliert die Designgeschichte der UdSSR von der Architektur bis zum Produktdesign. Es basiert auf Material aus erst jüngst zugänglichen Archiven. Die Autorin Kristina Krasnyanskaya ist Kunsthistorikerin und Gründerin der Heritage International Art Gallery in Moskau, Alexander Semenov ist Experte für sowjetisches Design und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Staatlichen Stieglitz-Akademie für angewandte Kunst und Design in St. Petersburg.

Literatur:

Kristina Krasnyanskaya und Alexander Semenov. Mit Vorworten von Elizaveta Likhacheva und Christina Lodder

1. Auflage, 2020

Text in Englisch

Gebunden

448 Seiten, 257 farbige und 171 sw Abbildungen

24.5 x 30 cm

ISBN 978-3-85881-846-1

In Zusammenarbeit mit Heritage International Art Gallery, Moskau